Zukunftstag und Freiwilliges Soziales Jahr am Fraunhofer IZI-BB
Schon vor dem Studium ins Forschungsleben eintauchen
Zum Brandenburger Zukunftstag besuchen Schülerinnen und Schüler das Institut, um bioanalytische und biotechnologische Forschung hautnah zu erleben. Wer das Berufsfeld näher kennenlernen möchte, kann durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN) einen tieferen Einblick in wissenschaftliche Einrichtungen und den Alltag in der Forschung erhalten. Isabell Fischer und Charlotte Huse, die derzeit ein FJN am Fraunhofer IZI-BB machen, teilen ihre Erfahrungen und geben Tipps für diese berufliche Orientierungsphase.

Im Rahmen des Zukunftstages am 3. April 2025 lädt das Fraunhofer IZI-BB Schüle-rinnen und Schüler aus Potsdam und Umgebung ein. Ein Highlight des Tages ist ein eigens eingerichteter Escape-Room, der die Teilnehmenden herausfordert als Team zusammenzuarbeiten. Nur gemeinsam können Sie die Rätsel lösen und alle Teile eines Mikroreaktors zusammensetzen und aktivieren. Dabei erfahren die Jugendli-chen nicht nur, wie Mikroreaktoren für Zellmodelle funktionieren, sondern auch, wie diese für die Testung neuer Medikamente eingesetzt werden. Der Zukunftstag bie-tet einen ersten Einblick in die Berufswelt und ist besonders wertvoll für junge Men-schen, die sich auf ihrem Weg ins Berufsleben noch unsicher sind. Denn nach der Schule stehen alle vor der entscheidenden Frage: Wohin jetzt? Eine längere Orien-tierungsphase kann dabei helfen, die richtige Wahl zu treffen.
Aus der Schule in die Wissenschaft
Viele entscheiden sich nach der Schule für ein Studium oder beginnen eine Ausbildung, während andere die Zeit für eine ausgedehnte Reise nutzen. Immer mehr junge Menschen entdecken die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren. Das Freiwillige Soziale Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit bleibt dabei ein oft übersehener Geheimtipp. Die verwandten Angebote, das Freiwillige Ökologische und das Freiwillige Soziale Jahr, sind während der Schulzeit oft schon auf dem Radar. Zur Bekanntheit tragen in Berliner Schulen auch spezielle Ansprechpersonen bei, die Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung nach dem Abschluss unterstützen und beraten.
Im September 2024 am Fraunhofer IZI-BB sind beide für ihr FJN sogar nach Potsdam umgezogen. Die Suche nach einem Zimmer war nicht einfach, jedoch schließlich erfolgreich und ein erster Schritt in die Selbstständigkeit. Am Institut haben sie ihr Jahr im Projektteam von Dr. Cornelia Hettrich begonnen und dort die Forschung im Bereich der Probennahme unterstützt. »Wir haben Zeit bekommen uns einzuarbeiten, um auch selbstständig zu experimentieren. Die Arbeit ist für uns sehr abwechslungsreich, da wir am Institut verschiedene Forschungsbereiche kennenlernen dürfen«, so Isabell Fischer. Inzwischen unterstützen Sie die Forschung im Projektteam von PD Dr. Harald Seitz dabei, Moleküle aus menschlichem Serum nachzuweisen.
Charlotte Huse schildert den typischen Arbeitsalltag als gut eingebunden und forschungsfokussiert. »Montags treffen wir uns zu verschiedenen Meetings innerhalb des Projektteams, in das wir eingebunden sind. Zusätzlich haben wir auch feste Besprechungszeiten mit unserem Betreuer oder unserer Betreuerin. Dann werten wir Daten vorangegangener Versuche aus und bestimmen die Versuche, die daran sinnvoll anknüpfen«.
Isabell Fischer und Charlotte Huse wurden durch persönliche Kontakte auf das Freiwillige Soziale Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN) aufmerksam. Beide wollten vor allem praktische Erfahrungen in einem naturwissenschaftlichen Umfeld sammeln. »Ich habe mein Abitur in Berlin gemacht und wollte ein FJN absolvieren, um das Arbeitsumfeld an einem Forschungsinstitut und die Arbeit im Labor kennenzulernen«, erzählt Isabell Fischer.
Wieviel Verantwortung übernehmen die Freiwilligen im Labor?
»Nach einer gemeinsam Wochenplanung, arbeiten wir größtenteils eigenständig. Uns wird hier schon viel zugetraut,« betont Isabell Fischer. »Wir müssen auch Sicherheitsregeln im Labor beachten und vorausschauend mit Materialien umgehen«. Charlotte Huse erklärt: »Wir führen momentan eine eigene Versuchsreihe mit Experimenten zur Qualitätskontrolle der Blutabnahme durch und bereiten dafür alles vor, was benötigt wird. Das Spannendste ist das Planen der Versuche und die Arbeit im Labor. Es erfüllt mich schon mit Stolz, wenn der Plan aufgeht und alles funktioniert. Aber wir organisieren auch Materialien für die Laborgemeinschaft, wenn beispielsweise eine Pufferlösung alle ist«. Die Arbeitszeit beträgt 39 Stunden pro Woche, was einen klaren Unterschied zur Schulzeit darstellt. Kommen die Schulabsolventinnen hier an ihre Grenzen? »Wir arbeiten zwar länger als zu Schulzeiten, dafür aber ohne Zeitdruck«, berichtet Charlotte. »Unsere Experimente und alle Hintergrundarbeiten können wir ganz in Ruhe planen und durchführen«.
Nach der Frage, ob sich das Jahr für sie denn lohne, bestätigen beide ihre Entscheidung mit gefestigten Wünschen für die Zukunft. »Das Arbeiten im Labor macht uns Spaß und bestärkt uns in unserer Studienwahl. Ich werde definitiv Studiengänge mit Biologiebezug in Betracht ziehen«, sagt Charlotte Huse. Isabell Fischer ergänzt: »Ein Studium in Biomedizin oder Biologie kann ich mir durch die Zeit am Institut jetzt gut vorstellen«. Mehr als die Hälfte des freiwilligen Jahres ist nun schon rum. Ein Highlight steht aber doch noch aus. »Schon zu Beginn haben wir erfahren, dass wir auch einen Exkurs in die Zellkultur des Instituts machen können«, schildert Isabell Fischer. »Jetzt steigt die Spannung schon seit einiger Zeit und wir freuen uns darauf Zellen zu kultivieren und auch dieses Fachgebiet zu erkunden«.
Durch das Freiwillige Soziale Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit haben junge Menschen eine Chance, praktische Erfahrungen zu sammeln und bestehende Interessen weiter zu vertiefen oder neue zu Entdecken. Isabell Fischer und Charlotte Huse zeigen, dass dieses Jahr nicht nur die berufliche Orientierung fördert, sondern auch die persönliche Entwicklung und Selbstständigkeit der Teilnehmenden stärkt. Bleibt nur, ihnen viel Glück und Erfolg für die Zukunft zu wünschen.